Ich muss ja gestehen - es hat verdammt lange gedauert, bis ich mich dazu durchringen konnte die 750€ (Stand: 2020) für das Objektiv auszugeben. Ein Kollege hatte das Objektiv für seine Canon DSLR und brachte dieses bei einem gemütlichen Feierabend-Bierchen auf dem Balkon mit, um es ein wenig zu demonstrieren - das war tödlich für meinen Geldbeutel.
 Das Sigma 50mm F1.4 DG HSM | ART, im folgenden einfach nur "Art" oder "Sigma" genannt, brachte mir die ein oder andere schlaflose Nacht voller Gedanken, ob ich dieses Objektiv in meiner Fototasche haben muss. Eines nehme ich direkt vorweg: Ja, ich muss diese Objektiv haben, bereue den Kauf keine Sekunde und es landete nicht nur in meiner Fototasche, sondern hängt 70% der Zeit an meiner Sony Alpha 7 III.
Im folgenden werde ich euch ausführlichst darüber berichten, weshalb das der Fall ist und welche Eigenschaften das Art so mit sich bringt. Ich werde euch Beispielfotos zeigen, welche mit dem Glas aufgenommen wurden und einige Vergleiche zu meinem Sony FE 50mm F1.8 aufzeigen. Solltet ihr auf der Suche nach einem Testbericht unter Laborbedingungen sein, muss ich euch enttäuschen - da seid ihr bei mir an der falschen Adresse - ihr werdet hier keine Siemenssterne findet. In meinen Testberichten soll es lediglich um die Abbildungsleistung im alltäglichen Gebrauch gehen. Jedes Objektiv hat seine eigene Charakteristik, seine Vor- und Nachteile und seinen eigenen Charme. Unter dem Strich zählt doch für jeden von uns am Ende nur das Ergebnis: Die Wirkung des Fotos.
Beginnen wir also mit ein paar Fakten zum Sigma 50mm Art:
Die 50mm Brennweite liefert bereits bei Offenblende von F1.4 eine unfassbare Detailtiefe und ist knackscharf! Das Objektiv ist für alle gängigen Mounts erhältlich - in diesem Test geht es allerdings um die Version mit E-Mount für Sony. Das Art besteht aus 13 Linsen, welche in 8 Gruppen verbaut und in ein sehr hochwertiges Gehäuse gepackt wurden. Die Blende besteht aus 9 Blendenlamellen und liefert ein vorzügliches, kreisrundes Bokeh. Ihr kommt mit dem 50mm bis zu 40cm an euer Objekt der Begierde heran, bis ihr keine Scharfstellung mehr erreichen könnt (Naheinstellgrenze im Volksmund). Natürlich bringt das Glas einen Autofokus (und was für einen!!!) mit sich und hat einen Filterdurchmesser von 77mm, bei einem Kampfgewicht von 910g (für E-Mount). Wir sprechen hier als von einem ganz schönen Klopper. Last but not least bringt das Teil einen manuellen AF/MF-Switch und eine Fokusskala mit sich.
Zu Beginn habe ich euch von diesem einen Abend berichtet, welchen ich nun gerne noch einmal aufgreifen möchte. Bis dato arbeitete ich mit einem "Nifty-Fifty" - also dem Sony 50mm F1.8, das vermutlich die meisten kennen und war damit bereits sehr zufrieden! Der eine oder andere mag das nun belächeln, allerdings lieferte mir das Sony gute Dienste. Es war ausreichend scharf, hatte ein schönes Bokeh und der AF war absolut in Ordnung. Lest hierzu am besten meinen Testbericht - es ist ein klasse Objektiv für seinen Preis! ...doch hier geht es nun um das Sigma, das Feierabendbierchen, die Glaspanzerfaust, den Klopper, das Bokehmonster...
Mein Kollege drückte mir also seine Canon samt 50mm Art in die Hand. Die Kamera war ausgeschaltet, der Objektivdeckel auf der Linse und ich wusste bereits in diesem Moment: Scheiße, du brauchst das Teil! Und das hat auch einen Grund. Wer jemals ein Sigma-Objektiv der Art-Reihe in den Händen hielt, weiß ganz genau wovon ich spreche. Das Objektiv ist ein absoluter Handschmeichler. Das Gehäuse der Optik besteht laut Hersteller aus Kunststoff - gefühlt eher wie ein Magnesiumgehäuse. Es ist kühl wie Metall, der Fokusring hochwertig gummiert und das hohe Gewicht macht es zu einem noch höhenwertigen haitischen Gefühl. Es wirkt wie Luxusklasse.
Als ich dann tatsächlich das erste Foto von meinem Gegenüber schoss, konnte ich meinen Augen nicht glauben. Schnappschuss, offenblendig, gutes Licht und das entstandene Bild war einfach nur beeindruckend. 110% Schärfe im Fokusbereich, kaum Vignettierungen, keine störenden Flares bei Gegenlicht (im Gegenteil) und ein unbeschreiblich cremiges Bokeh.
Ende vom Lied war, dass ich nach 4-5 Shootings mit meinem Sony 50mm F1.8 beim Händler meines Vertrauens (ganz versehentlich natürlich) ein Sigma 50mm Art in den Warenkorb legte. Dieses fühlte sich dort noch ungefähr zwei Wochen wohl, bis der Mauszeiger seinen Weg auf den "Bestellen-Button" gefunden hatte. 24 Stunden später kam das Paket bereits an und ich spreche hier nicht von Amazon, sondern tatsächlich von Fotofranz in Kehl (ein herzliches Dankeschön noch einmal für den vorzüglichen Service!).
Okay Leute, lasst uns über Schärfe sprechen!
Einer der ersten Einsätze war die wundervolle Hochzeit meiner kleinen Cousine. Auf der linken Seite seht ihr ein Foto vom Shooting mit dem Brautpaar. Location war die Gönneranlage in Baden-Baden. Gegen Abend hatten wir ein ziemlich mystisches Licht durch Saharasand in der Luft, was zu den ziemlich geilen Warmton in den Bildern erzeugte.
Das Foto habe ich mit meiner Sony Alpha 7 bei ISO 250, f/1.4 und 1/500 sec aufgenommen.
Direkt daneben bekommt ihr einen Bildausschnitt nur vom Gesicht der Braut zu sehen. Man achte auf die Poren der Haut, die Schärfe in den Augen und die Details jedes einzelnen Haares.
Für den Bericht habe ich mich ganz bewusst für ein Porträt bei F1.4 entschieden - keine Angst, ich bin in der Lage abzublenden und tue das auch regelmäßig! ;-) Ich finde es allerdings sehr beeindruckend, was das Art bei Offenblende hier abliefert.
Bokeh? Ja klar, lasst uns über Bokeh sprechen!
Ich bin kein Freund davon irgendwelche Lichterketten aufzuhängen, um dann zeigen zu können, was jeder zeigt. Hier unten seht ihr zwei Portraits, welche bei einem Herbst-Shooting entstanden. Das Model wird scharf abgebildet, der Hintergrund verschwindet in einem Mix aus Herbstfarben. Es bleiben Kreisrunde Bokehkreise. Bokeh ist Geschmacksache - meinen trifft das Sigma zu 100%.
Beim Thema Porträt-Shooting kommen wir auch direkt zum Autofokus. Hierzu kann ich prinzipiell nur sagen, dass er pfeilschnell und extrem leise arbeitet. Im AF-C Modus mit Augen-AF meiner Alpha 7 III hängt der Fokus quasi dauerhaft auf dem Auge meines Models und verlässt diese nur, wenn sich das Motiv umdreht. Der Fokus sitzt quasi wie fest genagelt.
Bei meiner älteren Alpha 7 (das Ur-Modell), bei dem der Autofokus bekanntlich nicht der schnellste war, kommt man ebenfalls auf seine Kosten. Der Autofokus ist auch hier schnell, man hat allerdings einen spürbaren Unterschied zur Alpha 7 III - auch was die Treffsicherheit betrifft. Nichts desto trotz ist das Sigma auch an meiner älteren Kamera eines der schnellsten Autofokus-Objektive die ich besitze. Die Fotos vom Herbst-Shooting sind noch mit der alten Kombination entstanden.
Um das Thema Schärfe und Klarheit bei F1.4 noch einmal aufzugreifen, damit ihr das nicht vergesst. Hier unten gibts noch einmal zwei Schwarzweiß-Aufnahmen. Wir schauen uns an diesen Beispielen ganz genau das vordere Auge an.
Mein Fazit zum Sigma 50mm F1.4 DG HSM | ART lautet also:
! KAUFEN !
Spaß beiseite. Wer ein absolut gelungenes 50mm sucht, welches unbeschreibliche Schärfe, ein cremiges, kreisrundes Bokeh und eine wundervolle Bildcharakteristik abliefert, der darf hier beherzt zugreifen. Ihr bekommt ein absolut geniales Objektiv, zu einem vernünftigen Preis (wenn wir hier mal das Sony GMaster 50mm F1.4 zum Vergleich ziehen). Es macht einfach einen Heiden Spaß mit dem Teil loszuziehen. Sei es Portrait-Aufnahmen, Streetfotografie oder Hochzeiten - ich liebe das Teil!
Einen Wermutstropfen hat es allerdings. Es ist ein Riesen Prügel von Objektiv. Es ist lang, es hat einen großen Durchmesser und es ist brutal schwer, wenn man kleinere DSLM-Linsen gewohnt ist. 

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