Sony FE 35mm f/1.4 GM – Langzeittest
Mein Lieblingsobjektiv. Punkt.
Es gibt Objektive die man benutzt. Und es gibt Objektive die man liebt. Das Sony FE 35mm f/1.4 GM gehört für mich klar in die zweite Kategorie — und das sage ich nicht leichtfertig. Ich habe viele Gläser kommen und gehen sehen, aber das 35mm GM ist geblieben. Und es wird bleiben.
Warum? Weil es einen Look erzeugt, den ich so bei keinem anderen Objektiv gefunden habe. Aber dazu gleich mehr.

Was steckt drin?
Die technischen Daten lesen sich erwartungsgemäß beeindruckend: 14 Linsen in 10 Gruppen, darunter zwei XA-Elemente (extreme asphärische Linsen) und zwei ED-Linsen. Die Blende besteht aus 11 Lamellen — und genau das ist einer der Gründe, warum das Bokeh dieses Objektivs so verdammt gut aussieht. Runde, cremige Unschärfebälle, die auch bei schwierigen Hintergründen nie nervig oder “zwiebelförmig” wirken.
Das Gewicht: 524g. Der Filterdurchmesser: 67mm. Für ein f/1.4 Objektiv ist das bemerkenswert kompakt — Sony hat hier echte Ingenieursarbeit geleistet. Und trotzdem: Es ist das schwerste Objektiv in meiner regulären Rotation und an langen Tagen merkt man das.

Dieser Look.
Ich könnte seitenlang über Schärfewerte und Auflösungskurven schreiben — aber das wäre am Kern der Sache vorbeigeredet. Was das 35mm GM von anderen Objektiven unterscheidet, ist nicht primär technische Überlegenheit. Es ist der Look.
Bei Offenblende entsteht eine Kombination aus knackiger Schärfe im Fokuspunkt und einem Übergang in die Unschärfe, der sich einfach… richtig anfühlt. Nicht digital, nicht klinisch, nicht zu weich — sondern charaktervoll. Porträts bei f/1.4 haben eine Dreidimensionalität, die mich immer wieder aufs Neue begeistert. Das Motiv steht förmlich aus dem Bild heraus, während der Hintergrund in einem warmen, cremigen Bokeh versinkt. Ich habe das “Wow” meiner Kunden bei der Bildabnahme noch nie so oft gehört wie seit ich dieses Objektiv benutze.
Und dann ist da noch der Black Mist Filter. Ich verwende einen von K&F Concept — und die Kombination aus 35mm GM und Black Mist ist für mich mittlerweile fast schon ein eigener Look. Der Filter nimmt den Lichtern die letzte digitale Härte, legt einen Hauch Traum über die Highlights und gibt dem ohnehin schon schönen Bokeh nochmal eine extra Portion Magie. Wer diesen Look noch nicht ausprobiert hat: unbedingt machen. Es ist eine dieser Entdeckungen, bei denen man sich fragt warum man so lange gewartet hat. Einen eigenen Testbericht dazu werden wir zu gegebener Zeit noch nachliefern — das hat sich schlicht verdient.

Portrait, Hochzeit, Street — der Alleskönner?
Fast. Wirklich fast.
Für Portraitfotografie ist das 35mm GM meine erste Wahl — ohne Wenn und Aber. Die Brennweite erlaubt es, nah am Motiv zu sein und trotzdem Kontext einzufangen. Kein isoliertes Gesicht vor unscharfem Nichts, sondern ein Mensch in seiner Umgebung — mit diesem unverwechselbaren Bokeh das die Umgebung trotzdem in den Hintergrund rückt. Kombination mit dem Black Mist Filter bei Gegenlicht: Bitte einfach mal ausprobieren.
Für Hochzeiten ist es mein meistgenutztes Objektiv. Der Getting-Ready-Bereich, der Einzug, die Emotionen am Tisch, der erste Tanz — das 35mm fängt alles ein ohne zu klaustrophobisch nah oder zu distanziert weit zu sein. Es ist die Brennweite die sich am natürlichsten anfühlt, fast wie das menschliche Auge. Und bei schwachem Kerzenlicht dankt man Sony für das f/1.4.
Auf der Straße macht das 35mm eine hervorragende Figur. Unauffällig genug um nicht aufzufallen, weit genug um Szenen mit Kontext zu erfassen, nah genug um Momente einzufangen bevor sie vorbei sind. Es ist die klassische Straßenfotografenbrennweite — und das aus gutem Grund.

Was nervt? Ja, auch hier.
Größe und Gewicht. Da muss ich ehrlich sein — und ich sage das als jemand der dieses Objektiv liebt.
524g klingen auf dem Papier nicht dramatisch. Aber an einem langen Hochzeitstag, nach 8-10 Stunden mit Kamera am Riemen, macht sich jedes Gramm bemerkbar. Das 35mm GM ist für ein f/1.4 Objektiv bemerkenswert kompakt — Sony hat hier wirklich gute Arbeit geleistet — aber kompakt und leicht sind zwei verschiedene Dinge. Es gibt Tage, an denen ich zum kleineren 35mm f/1.8 greife, schlicht weil mir der Rücken die Entscheidung abnimmt. Das ist kein Vorwurf ans GM — es ist Physik. Aber es ist der einzige Grund, warum dieses Objektiv nicht permanent auf meiner Kamera sitzt. Das und bei Streetsessions ist das GM einfach ein recht auffälliges Teil…hier greife ich öfter zum Sony 50 mm f2.5 G.

Mein Fazit zum Sony FE 35mm f/1.4 GM:
Es ist mein Lieblingsobjektiv. Das war die erste Aussage dieses Textes und es ist die letzte — weil sich daran nichts geändert hat und sich vermutlich nichts ändern wird. Der Look den es erzeugt, das Bokeh, die Schärfe, die Vielseitigkeit — all das zusammen ergibt ein Paket das seinesgleichen sucht.
Ja, es ist groß. Ja, es ist schwer — zumindest relativ. Und ja, der Preis von rund 1.300€ lässt einen kurz schlucken. Aber wer einmal durch dieses Objektiv geschaut hat und die ersten Bilder sieht, versteht warum.
Absolute Kaufempfehlung — für alle, die Portraits, Hochzeiten oder Street fotografieren und bereit sind, in ein Objektiv zu investieren das langfristig in der Tasche bleibt.

Die Fotos unten sind alle ohne den Black Mist entstanden, damit ihr euch ein Bild von der Abbildungsleistung machen könnt.

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