Tamron 28-75mm f/2.8 G2 – Langzeittest
Ein Objektiv. Unendlich viele Situationen.
Es gibt eine Diskussion in der Fotografie-Community die so alt ist wie Zoom-Objektive selbst: Zoom oder Festbrennweite? Ich bin — das dürfte nach den bisherigen Testberichten klar sein — ein bekennender Festbrennweiten-Mensch. Das 35mm GM, das 50mm f/2.5 G, das 16mm f/1.8 — ich liebe den Charakter und die Lichtstärke von Festbrennweiten.
Und trotzdem ist das Tamron 28-75mm f/2.8 G2 seit einer ganzen Weile fester Bestandteil meiner Fototasche. Weil es etwas kann, das keine meiner Festbrennweiten kann: flexibel sein.

Was steckt drin?
Das Tamron 28-75mm f/2.8 G2 ist die zweite Generation eines Objektivs das sich in der Sony-Community längst einen Namen gemacht hat. 17 Linsen in 15 Gruppen, darunter zwei LD-Linsen und drei GM-Linsen zur Minimierung von Aberrationen. Die Blende besteht aus 9 Lamellen, der Filterdurchmesser beträgt 67mm. Das Gewicht liegt bei 540g — für ein f/2.8 Zoom eine sehr respektable Leistung.
Die zweite Generation bringt gegenüber dem Vorgänger einen überarbeiteten Autofokus, eine verbesserte Naheinstellgrenze und eine noch bessere Abdichtung gegen Staub und Spritzwasser mit sich. Tamron hat hier auf das Feedback der Community gehört — und das merkt man.

Der Allrounder — was bedeutet das in der Praxis?
28mm auf der einen Seite. 75mm auf der anderen. Und dazwischen f/2.8 durchgehend — egal wo man im Zoombereich steht. Das klingt simpel, ist in der Praxis aber Gold wert.
Bei 28mm hat man ein angenehmes Weitwinkel das Räume und Landschaften atmen lässt. Bei 75mm nähert man sich einer klassischen Portraitbrennweite mit schöner Kompression und angenehmer Freistellung. Und der Weg dazwischen ist fließend, intuitiv und schnell. Kein Objektivwechsel, kein verpasster Moment, kein Fummelei mit Objektivdeckeln wenn es schnell gehen muss.
Das ist der entscheidende Unterschied zu meinen Festbrennweiten — und der Grund warum das Tamron in bestimmten Situationen einfach die bessere Wahl ist.

Hochzeit, Reise, Alltag — der Tausendsassa
Für Hochzeiten ist das Tamron mein heimlicher Held. Es gibt Momente bei Hochzeiten die keine Zeit lassen für Objektivwechsel — der spontane Kuss, die Träne der Mutter, das Lachen der Kinder auf der Tanzfläche. Mit dem 28-75mm zoome ich in Sekunden in die Situation rein oder raus, ohne auch nur eine Sekunde zu verlieren. Als Ergänzung zu meinen Festbrennweiten ist es unverzichtbar — als einziges Objektiv für eine Hochzeit wäre es sogar eine ernsthafte Option.
Auf Reisen ist es das Objektiv das in den Rucksack wandert wenn ich nicht weiß was mich erwartet. Stadtbummel, Landschaft, spontane Portraits von Menschen die man unterwegs trifft — das Tamron deckt alles ab ohne dass man sich vorher Gedanken machen muss welche Festbrennweite die richtige wäre. Es ist das Objektiv für alle Situationen in denen man keine Situation kennt.
Im Alltag schätze ich es vor allem an Tagen an denen ich nicht viel schleppen möchte. Eine Kamera, ein Objektiv, fertig. Kein Rucksack voller Gläser, keine Entscheidungen unterwegs — einfach losgehen und fotografieren.

Bildqualität — kann ein Zoom mithalten?
Die ehrliche Antwort: Ja. Nicht immer und überall auf Augenhöhe mit meinen Festbrennweiten — das wäre gelogen. Bei Offenblende f/2.8 ist die Schärfe im Zentrum stark, in den Ecken sehr ordentlich. Das Bokeh ist bei 75mm und kurzer Distanz angenehm cremig — kein Festbrennweiten-Bokeh, aber weit entfernt von dem was man einem Zoom vor zehn Jahren noch zugetraut hätte.
Was mich wirklich beeindruckt: die Farbwiedergabe und der Kontrast. Bilder aus dem Tamron sehen nicht nach Kompromiss aus — sie sehen einfach gut aus. Direkt aus der Kamera, ohne großartige Nachbearbeitung.

Was nervt?
540g sind 540g. Im Vergleich zum 50mm f/2.5 G mit seinen 174g fühlt sich das Tamron wie ein Klopper an — auch wenn es für ein f/2.8 Zoom objektiv betrachtet sehr kompakt ist. An langen Tagen merkt man den Unterschied.
Und f/2.8 ist eben kein f/1.4. In sehr schwachem Licht stößt man schneller an Grenzen als mit den lichtstarken Festbrennweiten. Wer Kerzenlicht-Stimmungen bei Hochzeiten einfangen will, greift dann doch lieber zum 35mm GM.

Mein Fazit zum Tamron 28-75mm f/2.8 G2:
Das Tamron 28-75mm f/2.8 G2 ist das vielseitigste Objektiv in meiner Tasche — und das ist kein kleines Lob. Es ist der Beweis dass Zoom und Qualität kein Widerspruch sein müssen, und dass Flexibilität manchmal wichtiger ist als das letzte bisschen Lichtstärke oder Festbrennweiten-Charakter.
Festbrennweiten-Mensch hin oder her — dieses Objektiv geht nicht mehr aus meiner Fototasche. Zu praktisch, zu vielseitig, zu gut.
Klare Kaufempfehlung — vor allem für alle die einen zuverlässigen Allrounder suchen der in so gut wie jeder Situation liefert, ohne dabei das Budget zu sprengen.

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