Sony FE 85mm f/1.8 – Langzeittest
Das unterschätzte Objektiv.
Manche Objektive kämpfen um ihren Platz in der Fototasche. Das Sony FE 85mm f/1.8 hat diesen Kampf lange gewonnen — und verliert ihn gerade still und leise. Nicht weil es schlecht ist. Sondern weil mein Setup sich weiterentwickelt hat. Aber der Reihe nach.
Was steckt drin?
Die Fakten: 9 Linsen in 7 Gruppen, eine 9-lamellige Blende und ein Filterdurchmesser von 67mm. Mit 371g ist es angenehm leicht für eine Portraitbrennweite — deutlich handlicher als das große Bruder Sony 85mm f/1.4 GM. Der Autofokus arbeitet mit zwei linearen XD-Motoren, ist blitzschnell und dabei nahezu lautlos. Für Portraits und Hochzeiten also genau das was man braucht.
Das Bokeh. Reden wir über das Bokeh.
Es ist cremig. Wirklich cremig. Bei f/1.8 und 85mm Brennweite löst sich der Hintergrund in einem weichen, runden Unschärfeteppich auf der das Motiv förmlich in den Vordergrund schiebt. Ich habe lange Zeit nach einem Grund gesucht das teurere 85mm f/1.4 GM in Betracht zu ziehen — und ich habe ihn nicht gefunden. Der Preisunterschied zwischen den beiden ist erheblich, der Unterschied in der Bildqualität im Alltag dagegen kaum spürbar. Wer kein Pixel-Peeper ist und einfach schöne Bilder machen möchte, bekommt mit dem f/1.8 alles was er braucht — und spart dabei ordentlich Geld.
Die Schärfe bei Offenblende ist stark, der Übergang von scharf zu unscharf fließend und angenehm. Es gibt keine bösen Überraschungen, keine nervigen Aberrationen, kein Gefranse an Kanten — einfach solide, schöne Abbildungsleistung die bei jedem Einsatz überzeugt.
Portrait, Hochzeit — die Heimat des 85mm
Für Portraitfotografie ist die 85mm Brennweite eine Klassikerin — und das aus gutem Grund. Die leichte Kompression streckt Gesichter vorteilhaft, der Abstand zum Model ist angenehm und der Hintergrund verschwindet bei f/1.8 in einem traumhaften Bokeh. Auf Hochzeiten ist es mein Objektiv für die ruhigeren Momente — der stille Blick zwischen Braut und Bräutigam, die Emotion beim Ringtausch, das leise Lächeln der Großmutter in der ersten Reihe. Momente die Abstand brauchen, um ungestört einzufangen zu werden. Das 85mm gibt mir genau diesen Abstand, ohne das Motiv zu isolieren.
Der ehrliche Blick nach vorne.
Ich werde das 85mm verkaufen. Wahrscheinlich bald. Und ich sage das ohne schlechtes Gewissen — weil es keine Schwäche des Objektivs ist, sondern eine Stärke meines restlichen Setups.
Das Tamron 28-75mm f/2.8 G2 hat sich in meiner Fototasche so fest etabliert, dass ich immer öfter zum Zoom greife wenn es schnell gehen muss. Und die 75mm am oberen Ende des Tamrons kommen der 85mm Brennweite so nah, dass ich den Unterschied im Alltag kaum noch spüre. Zwei Objektive für ähnliche Situationen — das ist auf Dauer eines zu viel, auch wenn das Bokeh des 85mm nicht vergleichbar mit dem Zoom ist.
Das 85mm f/1.8 verlässt meine Tasche also nicht als Verlierer. Es geht als solides, zuverlässiges Objektiv das mir über viele Einsätze hinweg großartige Bilder geliefert hat — und das seinem nächsten Besitzer genauso treu sein wird.
Mein Fazit zum Sony FE 85mm f/1.8:
Das Sony FE 85mm f/1.8 ist bietet eines der besten Preis-Leistungs-Verhältnisse im Sony E-Mount Universum. Cremiges Bokeh, starke Schärfe, blitzschneller Autofokus — und das zu einem Preis der deutlich unter dem großen GM liegt, ohne dass man im Alltag wirklich etwas vermisst. Wer zwischen dem f/1.8 und dem f/1.4 GM schwankt: Spart das Geld und steckt es in ein anderes Objektiv. Ihr werdet es nicht bereuen.
Klare Kaufempfehlung — für alle die ein erstklassiges Portraitobjektiv suchen, ohne dafür GM-Preise bezahlen zu wollen.